Wozu in die Ferne schweifen…10 Tipps für einen regionalen Konsum

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Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Glück ist doch so nah.

Wir alle haben schon einmal den Spruch gehört: Think global – act local. Zu Deutsch: Denke global – handle lokal. Jene Aussage verdeutlicht die Identität nachhaltigen Lebens wie keine andere. Denn genau dort, wo man sich befindet, beginnt das Miteinander, beginnt Liebe und Bewusstsein.

Globalisierung war einmal das Schlagwort einer wirtschaftspolitischen Epoche des Aufschwungs auch im Zuge eines geeinigten Europa-Gedankens. Und hält bis heute an. Wenn wir zurückblicken, also bis in die Kindheit oder für manche noch weiter, dann erinnern wir uns an die guten, alten Tante-Emma-Läden. Da waren Spezialitäten aus dem Ausland noch eine Besonderheit, Obst und Gemüse kamen aus regionalem bzw. lokalem Anbau. Mit der Zeit wurden die Geschäfte größer, auch das Angebot nahm zu und neben dem Vormarsch industriell gefertigter Lebensmittel und Fertigspeisen, verschwanden ganz schleichend auch die regionalen Produkte im Obst- und Gemüseregal. Dort, wo Regionalität vielleicht wenig Sinn gemacht hätte, wie beispielsweise bei Mangos, Ananas oder Bananen mag eine Zufuhr aus Übersee für viele nachvollziehbar sein, wenn auch die Betrachtung der Notwendigkeit eine ganz andere ist! Ich weiß noch, wie ich mich freute, als ich zum ersten Mal Erdnussbutter im Lebensmittelgeschäft entdeckte und Litschis. Alles, einfach alles Erdenkliche wurde im Laufe der Jahre zugänglich. Nur eines nicht mehr! Obst und Gemüse von nebenan.

Oder gab es plötzlich kein Nebenan mehr?

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, da war das Heimische noch gewiss. Für meine Großeltern, die Kriegsgenerationskinder, war das Anpflanzen und Gärtnern, also das Selbstversorgen im kleineren Sinne selbstverständlich. Auch als sie das Land verließen und in die Hauptstadt Deutschlands zogen, kauften sie einen kleinen Garten, um ihn zu bewirtschaften und das natürliche Umfeld zu genießen. Vor wenigen Jahren noch konnte ich im Supermarkt kaum ein regionales Produkt in der Obst- und Gemüsetheke entdecken. Kakis aus Israel, Kartoffeln aus Ägypten, Tomaten aus Holland, Gurken aus Spanien, Knoblauch aus China, Bananen aus Costa Rica, Walnüsse aus Kalifornien und natürlich chilenische Avocados. Selbst sonst übliche, einheimische Lebensmittel wurden durch transportintensive, fremdländische Produkte ersetzt. Und so wurden dem Konsumenten, dem Endverbraucher sukzessive die regionalen Bezugsquellen im Supermarkt entzogen. Denn welcher Städter schaut schon genau auf die Herkunft der Produkte. Zumal jene heute durch Weiterverarbeitungsschritte ziemlich gut verschleiert werden kann. Hat ja auch etwas Weltmännisches, wenn man Speisen von überallher bekommt, etwas Besonders, wenn man orientalische Datteln und Feigen kaufen und die so beliebten amerikanischen Süßkartoffeln in seinen Gerichten verarbeiten kann. Und das zu jeder Zeit.

Glücklicherweise geht der Trend wieder in Richtung Lokalität und Regionalität. Doch im Sinne eines noch absatzmarktreicheren Credos, dem der Nachhaltigkeit, sollte dennoch Vorsicht geboten sein, denn nicht alles, was als ‚bio‘ und ‚nachhaltig‘ angepriesen wird, ist es auch.

Die Globalisierung mit Hilfe seines Allround-Mediums Internet hat aber auch einen enormen Fundus an Wissen freigelegt. Mit der uns zur Verfügung stehenden Technologie, dem so nie dagewesenen, geteiltem Know-How und der Manpower ist es möglich regional und erst recht national einen Lebensstandard zu etablieren, der uns unabhängig, autark und umweltbewusst eine über den Maßen bestehende Grundversorgung garantiert. Was ist falsch daran, dass sich eine Nation selbst ernährt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Selbstversorgungsgrad (SVG) Österreichs lag im Jahre 2016 bei Milch, Fleisch, Getreide und Kartoffel bei mehr als 100%. Bei Milch sogar bei 166%. Äpfel und Karotten lagen bei 95%, selbst Sojabohnen hatten damals schon eine Bilanz von 72% und Gemüse im allgemeinen bei 57%.

In Deutschland lag der Selbstversorgungsgrad im Berichtsjahr 2017/18 für Nahrungsmittel bei rund 88 Prozent.

Wenn es um existenzielle Bedürfnisse geht, sind viele Nationen, so auch Österreich, durchaus imstande sich selbst zu versorgen. Es schließt keinen Handel aus, aber schauen wir in die aktuellen Import- und Exportstatistiken Österreich aus dem Jahr 2017, so sieht man, dass allein im Import für Nahrungs- und Futtermittel mehr als 7,6 Mrd. Euro umgesetzt werden und im Export mehr als 7,3 Mrd. Euro.

Es ist doch enorm, welchen Warenverkehr es gibt. Dass quasi dieselben oder artgleiche Produkte an einer Stelle exportiert und an anderer wieder importiert werden. Und dass zum Beispiel nebenbei bemerkt in geldwerter Menge mehr pharmazeutische Erzeugnisse gehandelt werden als Nahrungsmittel und Kleidung!

Neben der Schweiz ist Österreich seit Januar 2020 das einziges Land weltweit, welches „käfigfrei“ ist, was die Hühnerhaltung betrifft – Österreich produziert jährlich fast zwei Milliarden Eier, was einem SVG von 87% entspricht – und dennoch werden pro Tag eine Million Eier aus Ländern importiert, in denen die Käfighaltung erlaubt oder der Regelfall ist. 45% Eiimport aus Deutschland (7% Käfighaltung) und noch 14% des Imports aus Polen mit 87% Legehennen in Käfigen!

Bei Fleisch beispielsweise wird trotz hoher Exportzahlen, auch viel importiert. Vom Rind gebe es viel, Geflügel braucht man. „Im Jahr 2018 hat Österreich insgesamt 13 Tonnen Rindfleisch (gekühlt und gefroren) aus Drittstaaten importiert, 11 Tonnen davon kamen aus der Schweiz. Im selben Jahr wurden jedoch unglaubliche 12.431 Tonnen Rindfleisch in Drittstaaten außerhalb der EU exportiert! Davon gingen 111 Tonnen nach Hong Kong, 15 Tonnen nach Kanada und 216 Tonnen bis auf die Philippinen!“ *

Energien, Zeit und Ressourcen könnten bei einer auf Selbstversorgung und umweltbewussten Handel ausgelegten Lebensweise einer Gemeinschaft/Nation in andere Produkte und Projekt investiert werden.

Wenn viel exportiert wird, kann oder muss auch viel importiert werden. Zum Beispiel: Dosenfutter (Konserven mit Obst, Gemüse, Eingelegtes, Tomatenmark und Fertignahrung) aus China. So als würde Gutes verkauft und mindere Qualität in Massen und für die Massen eingekauft werden.

Dabei ist Selbstversorgung keine Utopie, sondern nur eine Frage der Organisation, des Willens und der Erkenntnis der Notwendigkeit!

Fakt ist, je weiter man in die Stadt geht, territorial wie mental, denn auch auf dem Lande gibt es den mentalen Städter, der die Pflaumen von seinem Obstbaum verfaulen lässt und sich lieber das abgepackte Obst im Supermarkt kauft, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass man sich selbst versorgt, sich regional ernährt. Die Bewertung des Lebensstandard, der aus manch anderer Sicht als Luxus bezeichnet werden kann, hängt immer von der Notwendigkeit ab. Und dies ist genau jener Punkt, jene Weggabel, an der sich die Geister scheiden. Muss denn alles immer und überall verfügbar sein? Für manche bedeutet das Freiheit – für andere ist, etwas nicht brauchen zu müssen, die wahre Freiheit. 

Das klassisches Beispiel: Braucht man frische Erdbeeren im Winter aus Spanien oder Übersee? Wenn man jene „braucht“, dann vielleicht die eingekochten aus dem Sommer der heimischen Ernte oder aus heimischen, bio-beheizten Gewächshäusern! Es wurden schon vor Jahrhunderten Lebensmittel eingeführt, die dann in unseren Breitengraden angebaut wurden und sich bis heute großer Beliebtheit und Beständigkeit erfreuen, zum Beispiel die Kartoffel. Und aus neuerer Zeit kann die Aloevera-Pflanze genannt werden, die mittlerweile gezüchtet und vermehrt wird. Besteht also noch die Notwendigkeit Aloevera-Produkte zu importieren? Die schon erwähnte Süßkartoffeln hat ebenfalls Einzug auf die Felder einheimischer Bauern gefunden.

Neben der Notwendigkeit ist auch das Maß ein entscheidendes Kriterium für eine umweltbewusste, ökologisch gesunde und nachhaltige Lebensweise.

Und nicht weniger wichtig ist wohl die Gesundheit von Geist und Körper, die sich aus der Lebensqualität und dem Selbstwertgefühl ergeben. Denn zu einer nachhaltigen Lebensweise trägt eben ein Volksbewusstsein bei, welches gemeinsam und gerecht seine eigenen Lebensmittel produziert. Ohne blinden Auges und unwissenden Gemütes Ausbeutung, Zerstörung und Verschwendung in der Welt zu unterstützen.

Meine 10 TIPPS für eine möglichst saisonal-regionale Ernährung und um das Beste aus seiner Situation herauszuholen:

1. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Der erste Weg, um sicher zu gehen, um Klarheit über seine Situation zu erlangen: Kontrollieren Sie das Etikett, die Herkunft ihres Produktes!

2. Zu Saisonzeiten bestimmter Nahrungsmittel gleich eine größer Menge einkaufen und einkochen/einwecken. Das schont die Umwelt durch das Einsparen häufiger Transportwege. Der beste Rat ist der Vorrat. Man hat also für Notzeiten etwas auf Lager, von dem man 1. den Ursprung und 2. die Qualität kennt.

TIPP: Fahrgemeinschaften und Einkochtage mit der Familie, lieben Nachbarn oder Freunden bilden.

3. Auch bei Angeboten, Rabatten eine größere Menge günstig erwerben.

4. Bauernhöfe regional nutzen (siehe 1.) Dies gilt nicht nur für Obst und Gemüse, sondern auch für Milch- und Fleischprodukte.

5. Am lokalsten ist Ihr Zuhause. Je nach Platz lassen sich Gemüsepflanzen, Kräuter oder Obst selbst „anbauen“ oder züchten. Nutzen Sie jeden Quadratmeter Ihres Balkons, Ihrer Terrasse für einen kleinen oder größeren Permakulturgarten. Lassen Sie im Innenhof eines Mietshauses Hochbeete und einen kleinen Garten entstehen.

6. Die Abokiste, Obst und Gemüse von Bauernhöfen frei Haus geliefert.

              https://www.bio-austria.at/download/bio-kistl-anbieter-in-oesterreich

7. Werden Sie Mitglied in einer solidarischen Landwirtschaft.

              https://www.solidarische-landwirtschaft.org/solawis-finden/solawis-ausserhalb-deutschlands

8. Augen offen halten! In Ihrer Stadt/Dorf gibt es sicher freistehende Obstbäume und Wiesenstreifen (Kräuter). Die gehören jedem und dürfen geerntet werden. Mittlerweile entstehen diese vermehrt durch engagierte Menschen.  https://www.soschmecktnoe.at/essbarestaedte

9. Die App Too Good To Go soll helfen, die Lebensmittelverschwendung in der Gastronomie zu reduzieren. In Österreich gibt es 438 Betriebe, die sich an dem Konzept beteiligen. Das Prinzip ist einfach: Restaurants, Cafés, Imbisse, Bäckereien stellen ihre überschüssigen Speisen kurz vor Ladenschluss ein, der Kunde kann sie anschließend reservieren und abholen.

10. Im Gespräch bleiben. Viele Bauern verkaufen gerne Teile ihrer Ernte, bemühen sich aber nicht explizit darum, weil ihnen neben dem eigentlich wenig lukrativen Geschäft mit Großabnehmern die Zeit fehlt und sie zweitens meist keine Marketingexperten sind, um ihre Produkte bestmöglich zu vermarkten. Doch im täglichen Gespräch mit anderen, erfährt man, was man nur durch ein solches erfährt und nicht durch das Internet. Auch alteingesessene Hofbesitzer, Privatiers im betagten Alter, die ihren Garten nicht mehr alleine bewirtschaften können und auch die Obstbaumernte nicht mehr alleine verarbeiten und konsumieren können gibt es mehr und mehr. „Im Gespräch bleiben“ bedeutet also auch die Gemeinschaft stärken. Bilden Sie ein Netzwerk unter Gleichgesinnten und Zulieferern, ein Netzwerk für Ihre lokale, regionale Gemeinschaft. Nutzen sie Amoremundo.com um sich dahingehend auszutauschen und zu unterstützen.

Einer alleine kann nicht alles schaffen, doch zusammen kann man vieles mehr erreichen! Wenn der Mensch sich seiner Möglichkeit und seiner Mündigkeit (außerhalb des Diktats durch Person oder Sache wie z.B. Konsum/Geld) bewusst ist, trifft er die Entscheidungen, die zwangsläufig gut für ihn und seine Gemeinschaft sind, in Liebe, Demut und Dankbarkeit.

Der Erfolg zeigt sich im Miteinander, den Anfang jedoch macht immer nur der Einzelne. Bei sich selbst.

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Quellen:

https://www.essbare-stadt-minden.de/wissenswertes/links-essbare-stadtewww.statistik.athttps://de.wikipedia.org/wiki/Selbstversorgungsgrad#Österreichhttps://statcube.at/statistik.at/ext/statcube/jsf/dataCatalogueExplorer.xhtmlhttps://www.derstandard.at/story/2000065223181/schmelzkaeseberge-und-bierseen-oesterreich-ist-weitgehend-selbstversorgthttps://bauernzeitung.at/oesterreich-isst-kaefigfrei-in-der-haltung-ja-aber-nicht-im-verzehr/* https://vgt.at/presse/news/2019/news20190813mn.php, www.gruenerbericht.at

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  • So fein! Danke schön. Und: Ausnahmslos alle jener gemüsischen Köstlichkeiten haben wir in der Familie bereits verspeist!

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