GEDICHTE-BLOG _ Gegenwartslyrik

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Passend zum heutigen und jährlich wiederkehrendem Anlass habe ich einmal ein Gedicht verfasst, dass ich gern mit Euch teilen will. Zugegeben, ich war schon immer ein großer Freund von Harmonie, familiärer Verbundenheit, Zusammenhalt und der Liebe und des Gebens, aber eben nicht von Weihnachten. Denn schon in jungen Jahren hatte ich zu dieser Zeit und besonders in der hoch kommerzialisierten Vorzeit dieser für mich fragwürdigen Tradition ungute und beklemmende Gefühle. Ich empfand/empfinde eine starke, dem Konsum nach ausgelegte, Doppelmoral, die mich eben nicht besinnlich stimmt. Da können auch die vielen populistischen Weihnachtssongs nichts ändern. Wohl aber fühl ich mich mit dem glaubensrelevanten Hintergrund verbunden und gedenke demütig dem, was uns geschenkt wurde. Etwas, das in keine hübsche, für den Müll designierte, Verpackung passt. Leben und Liebe.

Es folgen drei Gedichte aus dem Buch “HERZVERWANDT”:

 

 

Ich bei Dir

Auf Suche nach mir selbst
machte ich bei Dir Halt.
Ich legte eine Pause ein
und alle Kleider von mir –
auch die der Seele.
Und schon war ich angekommen.

 

Die gute Tat

Ich ging einmal ins Kaufhaus,
es war Dezember zu Advent,
man meint, ein leuchtender Augenschmaus,
wenn oben am Baum das Sternlein brennt..

Alles beleuchtet, es funkeln die Kerzen,
wie man es halt so kennt,
es wärmen die Mützen und glühen die Herzen,
jeder Event ein Präsent
und jedes Präsent ein Event.

Es tönte laut die Weihnachtsmusik,
es roch nach Rum und Kakaos,
da sah ich eine Frau, die schwieg,
im Korb den Schokonikolaus.

Sie stand in einer Warteschlange
und flüstert dem Kinde zu,
da wurde meinem Herz ganz bange
und brüchig waren die Schuh.

Sie sprach zu ihrem Töchterchen,
es tue ihr ganz ehrlich leid,
dass sie kein Geld hat fürs schöne Püppchen,
vielleicht nächstes Jahr dann zur selben Zeit.

Das Kind an ihrer Hand,
die Augen gütig, doch stumm,
hielt fest des Trostes starkes Band,
mein Herz, es schlug im Vakuum.

Ein Mann wohl hörte, was ich sah,
er trat in feinem, sicheren Schritt
vorbei an Frau und ebenda,
schwarzer Mantel, schlicht adrett.

Fast flüsternd bat er um die Gunst,
die Ware zu bezahlen
und gab der Frau im Kandis-Dunst
noch reichlich Scheine, ohne für zu prahlen.

Sie weinte aus dem Stand,
doch er war recht genügsam,
wollte keinen Dank, verschwand,
genau so schnell er eben kam.

Und ich sah in seinem Auge,
was sein eigen Herz wohl hörte,
die Träne verbot er sich vielleicht,
doch das Pochen des Mitgefühls schallte seinen Leib.

Die Zuckerwatte blieb im Hals der andern,
die Münder standen still,
die Augen zuckten hin und her,
das Lächeln des Kindes ist wie die Ferse des Achill.

Ich sag es meinem Kind frei raus
denn ich mag nur echte Tradition,
es gibt ihn nicht den Santa Claus,
ist nur Erfindung, Illusion.

Versteht ihr wohl,
deshalb verachte ich diesen Trug
der heilen Welt und alles gut.
Denn die Wirklichkeit tut oftmals weh,
da hilft auch nicht der tollste Schmäh.
Solange die Liebe nicht regiert, meins,
der Mensch in Unheil sich verliert.

 

Seelenverbunden

Gehen Seelen Hand in Hand?
Und wenn der Tod uns scheidet
und einer von uns leidet,
sind wir im Herzen noch verwandt?
Besteht dann immer noch das Band?

Wirst Du auf mich warten,
wenn Du zuerst zu Hause bist?
Wenn ich dann noch verbleibe,
aushalte meine Frist?

Und können wir dann leben,
woanders, ewiglich?
Oder drehen wir noch einen Runde?
Zusammen, getrennt?
Ich weiß es nicht.

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